Das Echtzeit-Web ist spätestens seit dem Erfolg von Diensten wie Twitter, FriendFeed und Facebook ein wirkliches Thema geworden und man hat sich Anfang dieses Jahres gefragt, was Google darauf antworten wird.
Dann kam Ende Mai die Ankündigung von Google Wave auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. Google hat damit ein Projekt vorgestellt, was das Potential hat massiv Einfluss auf das Echtzeit-Web zu nehmen und welches die Szene elektrisiert hat.
Ich bin nun seit einigen Tagen in der geschlossen Developer Alpha Phase aktiv und möchte an dieser Stelle erste Eindrücke schildern und noch ein paar generelle Gedanken niederschreiben.
Das Google Wave Federation Protocol
Was ganz wichtig vorwegzunehmen ist - wenn man sich mit Google Wave beschäftigt - ist die Tatsache, dass Google Wave auf dem offenen Google Wave Federation Protocol basiert und kurz gesagt es damit jedem möglich wird nicht nur selbst Wave Provider zu werden, sondern auch eigene Clients (sprich Interfaces) für Waves zu entwickeln.
Somit ist das Interface welches wir im Moment primär in der Alpha nutzen ‘lediglich’ der von Google entwickelte Wave Client. Das Wave Federation Protocol und damit die Möglichkeiten der Technologie an sich, sind unabhängig davon zu betrachten und zu bewerten.
Wo uns in Zukunft überall Waves begegnen und über welche Interfaces wir mit Ihnen interagieren werden steht also noch völlig in den Sternen.
Dies ist aber auch gerade der Grund, warum Google ungewöhnlich früh mit einem Projekt an die Öffentlichkeit und damit vor allem auch an die Entwickler-Gemeinde herangetreten ist. In der aktuellen Alpha geht es nicht nur darum den aktuellen Wave Client von Google zu testen, sondern vor allem auch darum eigene Applikationen in diesem Kontext zu entwickeln und die Möglichkeit zu eruieren, selbst Wave Provider zu werden.
Man kann in der Alpha bereits jetzt anfangen seinen eigenen Wave Server aufzusetzen, man kann mit der Embed API Waves in eigene Web-Applikationen integrieren (so gibt es bereits erste Ansätze für Wordpress: Beispiel), als auch Gadgets und Robots entwickeln, die innerhalb von Waves funktionieren werden.
Der Phantasie sind da im Moment keine Grenzen gesetzt und man darf ohne Frage gespannt sein, welche Entwicklungen Google Wave in Summe noch ausserhalb des Clients von Google nehmen wird. Die Aktivitäten in der Developer Alpha sind auf jedenfall vielfältig und lasse bereits viele spannende Entwicklungen erkennen.
Der aktuelle Google Wave Client
Nichts desto trotz ist natürlich der Wave Client von Google im Moment das primäre Interface mit dem wir die Idee hinter Wave überhaupt erst entdecken und erleben. Vom Aufbau her erinnert das Interface erstmal primär an eine Art von Email Client.
Ganz links eine Navigation für verschiedene Ordner, in der Mitte die Anzeige der Inhalte der Ordner (sprich die Waves in den Ordner) und ganz rechts der Blick auf die Wave an sich.
Um Waves besser zu verstehen, ist es hilfreich diese als Container zu begreifen, in denen sich unterschiedlichste Dinge befinden können, die dann von einer Gruppe von Leuten in Echtzeit diskutiert und/oder bearbeitet werden können.
Diese ‘Dinge’ können natürlich Texte, Bilder und Videos, als aber auch - und da wird es meines erachtens sehr interessant - Applikationen sein. Wer sich das in Ruhe mal vor Augen führen möchte, dem kann ich nur das gut einstündige Video empfehlen, welches man hier findet, da dieses besser als tausend Worte das ganze Potential von Wave veranschaulicht.
Das besondere ist dabei, dass dies alles in Echtzeit - und wirklich beeindruckender Echzeit - geschieht. Man sieht die Teilnehmer Buchstabe für Buchstabe tippen und alles verändert sich wirklich unglaublich unmittelbar innerhalb der Wave. Die Grenze zwischen gewohnter Email und Instant-Messaging Kommunikation verschwimmt dabei total.
Ob dies wirklich immer ein Segen ist, mag ich allerdings noch bezweifeln. Die Tatsache dass die Kommunikation überall innerhalb der Wave fortgeführt werden kann und sie nicht klar linear von oben nach unten geführt werden muss, sorgt dafür dass man schnell den Überblick verlieren kann - gerade wenn man Waves als reine “Chat-Plattform” anfängt zu nutzen.
Die Lösung hierfür soll das Playback-Feature sein, mit dem man sich den Hergang der Geschehnisse innerhalb der Wave rekonstruieren kann. Dies ist zwar in der Theorie schön und sah auch in der Demo ganz beeindruckend aus, ist aber meines erachtens in der Praxis wenigsten sehr ungewohnt.
Nichts desto trotz spreche ich Google Wave viel Potential zu die Art und Weise wie wir das Netz erleben nachhaltig zu verändern. Ich werde dies weiterhin aktiv verfolgen und ggf. an dieser Stelle über weitere Aspekte von und Erfahrungen mit Google Wave berichten.
Am 30. September wird übrigens die Beta-Phase von Google Wave starten und damit insgesamt 100.000 Tester auf die Plattform gelassen. Anmelden kann man sich hier.
Author: Sebastian Küpers (Facebook, Twitter) arbeitet freiberuflich für die Pixelpark AG als Senior Berater & Konzepter und beschäftigt sich mit Themen wie dem Real-Time Web, Social Media, Offenen Web-Standards, Semantic-Web und Virtuellen Welten.





