Harald R. Fortmann, Geschäftsführerender Gesellschafter Yellow Tomato schrieb einen Gastbeitrag für den Kress Report (erschien im September im Heft), viel Spass bei der Lektüre:

Überhitzte Performance verbrennt schnell an sich selbst. Gute Performance baut auf Einfachheit und integriertes Denken
8:30 Uhr im Büro und der Tag rattert nur so vorbei. Die Themen und Kommunikationswege in der Online- und Agenturwelt verändern sich beinahe stündlich, der nächste Tag ist oft gefühltes Neuland. Beste Voraussetzungen, um an der Oberfläche von einem Thema zum nächsten Briefing und ins wichtige Meeting zu schliddern.
Von Zeit zu Zeit trifft man dann Menschen zum Mittagessen, die seelenruhig inspirierte Ideen darlegen, Strömungen aufgenommen haben und gelungene Arbeiten vorlegen – ohne einmal auf ihr iPhone zu schielen. Angenehm. „Round characters“, wie wir sie aus guten Romanen kennen, vielschichtige Personen, die sich weiterentwickeln.
Der „round character“ entsteht nicht allein durch Leistung, sondern durch integrierte, ganzheitliche Wesensbildung, die sich durch Kommunikation mit anderen Menschen ergibt. Es gilt, Werte zu entwickeln, die sich in der Agenturarbeit widerspiegeln, allen voran Spaß an der Arbeit, Forderung aber auch Förderung von Mitarbeitern.
Wir können diese Menschen auch integrierte Charaktere nennen. Personen, die mitten im Leben stehen und sich von den Extravaganzen der Agenturbranche nicht verrückt machen lassen. Menschen, die Performance nicht mit Leistung verwechseln und dabei zeigen, was gute Performance eigentlich ausmacht.
Denn: Im täglichen Sprachgebrauch wird „Performance“ zwar mit „Leistung“ gleichgesetzt. Blicken wir zurück auf den lateinischen Ursprung, bedeutet „perfomare“ jedoch schlicht „hervorbringen, abbilden“.
Integration und Integrität
Performance im Job und Performance-Marketing sind sich nicht unähnlich. Gutes Performance-Marketing baut auf Einfachheit und integriertes Denken. Es gilt: „Integration ist King“. Seine Bestandteile kommen vernetzt zum Einsatz, um auf Kunden und potenzielle Interessenten einwirken zu können. So kann Performance-Marketing als Interaktionselement in eine klassische Kampagne integriert werden, wobei intensive Wechselwirkungen z. B. zwischen Bekanntheit und Klickrate bestehen.
Spielen wir mit einem Wort, das Integration linguistisch ähnelt: Integrität. Die Übereinstimmung zwischen (idealistischen) Werten und der tatsächlichen Praxis. Im Job wie im Performance Marketing sollten hier keine zu großen Diskrepanzen entstehen, damit Werte wie Vertrauen und Ehrlichkeit Bestand haben.
Performance bedeutet Kontakt und Reflektion
Sind für eine gute Performance nicht eine stimmige und fördernde Aus- und Weiterbildung, Spaß im Job und mit den Kollegen, Ehrlichkeit und Vertrauen um ein Vielfaches wichtiger für Geschwindigkeit als Leistungsdruck? Echte Werte wie Vertrauen sind zeitlos und bringen nur vorwärts. Und warum die eigene Leidenschaft nicht auf andere übertragen und so gemeinsam im Team „performen“, etwas hervorbringen und dadurch: leisten. Für den Kunden und für sich selbst. Das bedeutet auch stehen bleiben und inne halten.
Denn Leistung hat immer auch etwas mit Vereinfachung zu tun. Ein zentrales Element im Performance-Marketing ist Optimierung. Dabei geht es oft auch darum, Dinge einfacher zu gestalten, um wiederum die Performance zu erhöhen. Komplexität ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe: Nämlich, das Wesentliche für die eigenen Ziele herauszufiltern und in eine gewinnbringende Konstante zu integrieren. Die besten Abkürzungen verlangen etwas Ruhe. Der Austausch mit einem Kollegen oder dem Chef, sowie die vertiefte Lektüre. Sie bringen Dinge in ein Gleichgewicht, das wir brauchen.
Performance heißt Flow
Zwischen Herausforderung und Routine liegt die Konstante, die in der Psychologie als „flow“ bezeichnet wird, zum Beispiel von Mihaly Csikszentmihalyi. Die Balance zwischen beiden Polen beflügelt und motiviert Menschen, hilft bei Strapazen und klärt Gedanken. Ein Kernelement bei aller Performance sollte demnach „Balance“, Gleichgewicht sein.
Bleib Dir treu, sei ehrlich, vertrau in Menschen und deren Fähigkeiten – sei anders als die Medienwelt, das ist mein Motto.